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Randnotiz: Von Ängsten, Wellen und Fähren, die lieber Boote wären

Randnotiz: Von Ängsten, Wellen und Fähren, die lieber Boote wären

Hier nun meine Geschichte des heutigen Tages zur heutigen Frage: Worin begründet sich deine Angst?

Hier in Nicaragua werden Alex und ich mit einigen unserer schlimmsten Ängste konfrontiert. Ich zum Beispiel habe echt Angst bei vielem, was mit Wasser zu tun hat. Vor allem mit Wellen. Früher bin ich gern geschnorchelt. Nachdem ich mal gefühlt 10 Liter Wasser eingeschnorchelt habe, weil die Wellen zu hoch waren, kann ich es einfach nicht mehr genießen.

Unser Schnorchelausflug zu den Manatees vor einigen Jahren in Florida war daher auch rasch für mich beendet. Ich hab dann auf dem Boot gewartet. Auch am Wellen springen, eine der Lieblingsbeschäftigungen von Alex am Meer, kann ich mir nichts abgewinnen.

Heute sind wir von Granada aus nach Ometepe aufgebrochen. Mit dem Chicken Bus nach Rivas, dann mit dem Taxi nach San Jorge zum Hafen. Dann sollte es mit der Fähre weitergehen. Wir waren zu früh da und mussten noch warten. Alex hat Tickets gekauft. Dann kam eine Fähre. Ziemlich klein für eine Fähre (rechts im Bild). Ah, war auch nicht unsere. Eine halbe Stunde später fährt ein Boot ein. Ein Bötchen, das auf halb acht hing und hin und her geschaukelt wurde. Es war unsere „Fähre“…  (links im Bild) Erst meinte ich es noch halb im Scherz, dass das doch nicht sein kann. Bevor wir das Boot betraten, mussten wir uns in eine Liste eintragen und unsere Passnummern hinterlegen. Klar, sodass sie wissen, wer auf dem Boot war, als es kenterte….

Als ich dann auf dem Boot war, dachte ich nur noch, ich muss gleich kotzen. Und dann, noch bevor wir losfuhren, brach pure Panik in mir aus. Ich heulte drauf los, konnte mich nicht mehr beruhigen. Als das Boot ablegte und aufgrund der Wellen meterhoch schwankte, gab es für mich kein Halten mehr. Ich krallte mich am Sitz fest, den eine nette Nica für uns freigemacht hatte, krallte die Finger um den Rucksack und die Wasserflasche. Dachte an Chica und Pumuckl und heulte noch mehr. Ich hörte gar nicht auf. Ich hatte Angst um mein Leben.

In der Mitte der Fahrt wurde die See und ruhiger. Ich wurde ruhiger. Die Schwimmweste behielt ich als Letzte an.

Die Fahrt dauerte eine Stunde. Ich war danach fix und fertig.

Da auf dem Boot, inmitten der Wellen, wurde ich mit einer meiner schlimmsten Ängste konfrontiert. Und die Angst begründet sich ganz einfach in meinen Werten: Ich habe ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Und das wurde in dieser Nussschale nicht erfüllt. Das Wissen darum macht es leichter, im Nachhinein damit umzugehen. Ich schäme mich nicht, die ganze Fahrt über vor allen anderen so geheult, geschluchzt und geschrien zu haben. Und ich schäme mich nicht, euch das zu erzählen.

Auf der Rückfahrt werden wir übrigens darauf achten, die Autofähre zu nehmen.